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Allgemein

Pflegefachkraft Bernhard Morawietz im Interview

By 21. September 2021September 24th, 2021No Comments

Pflegefachkraft Bernhard Morawietz: „Wir hatten keine Führung und ich hatte bereits meine Kündigung eingereicht“

Mit seinem erfolgreichen Abschluss zur Pflegefachkraft, ist Bernhard Morawietz ein Mitarbeiter der Herzen. Dabei ist es ihm egal in welches Herz er sich mit seinem Gemüt einnistet. Wer heute noch freiwillig in der Pflege arbeitet? Es kommt auf das Umfeld an, hat Herr Morawietz uns erzählt!
Wir haben ihn für Sie interviewt.

Lesen Sie, wie Herr Morawietz die vergangenen Jahre erlebte und was die Zukunft für ihn bereithält.

Esterhofen. Mit seinem sehr guten Abschluss und dem motivierenden Wesen, ist Herr Morawietz ein beliebter und geschätzter Mitarbeiter bei Kollegen und Bewohnern.

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Die Ausbildung zum „Generalisten“ dauert drei Jahre, was halten Sie von dem neuen Pflegeberufsgesetzt welches seit Anfang 2020 greift?

Mit der generalistischen Pflegeausbildung, bin ich mir nicht sicher, ob diese in dem Bereich der Altenpflege produktiv ist. Viele der Auszubildenden werden bevorzugt in die Gesundheits- und Kinderpflege gehen. Zudem werden die fachlichen Thematiken oberflächlich angeschnitten, das Detailwissen welches in der Praxis relevant ist, wird des Öfteren vernachlässigt. Gerade im Bereich der Demenz und spezifisch auf Altenpflege geht vieles für eine ganzheitliche Pflege verloren.
Ich bin dankbar für meine ausführliche Pflegeausbildung, nach dem alten Gesetz, ich fühle mich sicher.

Nach erfolgreichem Abschluss sind Sie nun Pflegefachmann. Sie haben auf der evangelischen Pflegeakademie die Ausbildung absolviert, was nehmen Sie in den Alltag der Pflege mit?

Wir hatten super Lehrer, die uns immer unterstützt haben. Die Schule gehört zu den besten in München, was ich genauso auch unterschreiben würde. Es wurde uns neben den grundlegenden Aufgaben wie Krankheitsbilder erkennen, Medikamenten gabe oder Kommunikation mit Ärzten, auch vermittelt, wie wichtig das Menschenbild ist. Es wurde aufgezeigt, wie bedeutend es ist auf jedes einzelne Bedürfnis einzugehen und jeden gleich zu pflegen – völlig unabhängig von der Religion, der Sexualität oder anderen Einflüssen.
Was ich mir besonders angeeignet habe ist es in Situationen, in denen eine Überforderung eintritt, einen Schritt zurück zumachen, um die Sachlage zu reflektieren. Danach kann wieder mit neuem Schwung die Gegebenheit gelöst werden.

Weshalb haben Sie sich für diesen Beruf entschieden? Neben den schulischen Anforderungen, gab es einen Bereich, der Ihnen besonders gefallen hat?

Mir war es wichtig mit Menschen zu arbeiten, die meine Hilfe benötigen. Jeder Mensch hat Hilfe verdient – egal in welcher Situation. Senioren geben neben interessanten Erlebnissen auch viel Dankbarkeit zurück, was es für mich wertvoll macht in diesem Bereich zu arbeiten. Die Ausbildung ist in Bereichen aufgeteilt, neben dem Arbeiten im Ausbildungsbetrieb erlebte ich Praktika in der Gerontopsychiatrie, des ambulanten Pflegedienstes und noch weitere Bereiche.

Das schönste war tatsächlich der Bereich des ambulanten Dienstes. Das Praktikum war wunderbar, wir hatten Zeit für die Patienten und konnten ohne Termindruck auf die Bedürfnisse des einzelnen eingehen.

Neben schöne Ereignisse gibt es sicherlich auch schwierige Momente, an welchen Erinnern Sie sich immer wieder?

Ich hatte 15 Polizisten im Haus! Es kommt oft vor, dass Bewohner versuchen das Haus zu verlassen. In der Regel bekommen wir diese Aktionen immer mit und können einlenken. Doch eine Bewohnerin hatte es tatsächlich geschafft das Grundstück zu verlassen. Es war sehr schlimm für mich, neben den Sorgen um die Bewohnerin und den Vorwürfen, welche ich mir selbst machte – waren die Polizisten mehr bedacht einen Schuldigen zu finden als die Bewohnerin.

Es ist ein Berufsrisiko, wir sind Menschen und können uns leider nicht überall gleichzeitig aufhalten. Wir hatten Glück! Es ist alles gut ausgegangen.

Würden Sie, allen Thematiken trotz, diesen Beruf weiterempfehlen?

Ja! Auf jeden Fall! Für Personen, die sich gerne hilfsbereit für Menschen einsetzen, ist es der perfekte Beruf. Es ist viel mehr als nur ein „Geld verdienen“ es ist Leidenschaft, Empathie und Liebe, die gegeben werden muss und die man ebenso zurückerhält. Das Team hier in Esterhofen macht den Arbeitsplatz zu einem Traumberuf.

Das Privatleben bleibt oft auf der Strecke, doch ich vergleiche diese Situation gerne mit folgendem: Ein Geschäftsführer egal in welchem Bereich, ein Anwalt oder auch Ärzte, sie alle sind im besten Fall engagiert bei der Arbeit. In diesen Zweigen muss ebenfalls häufig auf das Private verzichtet werden. Wichtig ist im Grunde nur eins – Leidenschaft!

 Darf ich Fragen, was Ihr Wunsch für die Zukunft ist?

Gerne würde ich mich im Bereich des Wundmanagers weiterbilden, Palliativmedizin wäre auch eine attraktive Option. Hier sehe ich mich in der Zukunft. Beginnen werde ich mit der Weiterbildung zum Hygienebeauftragen. Im Büro sehe ich mich nicht, ich will bei den Menschen bleiben.

Wie ist Ihre Meinung zu dem aktuellen Träger, Sympathia?

Wir sind ein kleines Haus, jeder kennt jeden und wir arbeiten Hand in Hand.
Esterhofen ist für mich eine kleine eigene Familie, wenn einer Krank ist springen direkt drei ein. Die Betreuung hilft beim Essen verteilen – es ist harmonisch und einzigartig.

Bevor der derzeit aktive Träger kam, hatten wir mehrere Umbrüche, keine Führung und ich hatte bereits meine Kündigung eingereicht. Sympathia als Träger, hat uns eine hervorragende Einrichtungsleitung zur Verfügung gestellt, hierdurch sind wir wieder zu einem Team herangewachsen. Er hat sich uns angenommen und ist für das Team, ein Fels in der Brandung. Er war auch der Grund, dass ich zurückkam und hier meine Ausbildung vollenden konnte. Es wird immer Verbesserungsmöglichkeiten geben. Nach diesem Umbruch ist Sympathia ein angenehmer Arbeitgeber. Ich fühle mich sehr wohl!

Eine letzte Frage an Sie;
wenn Sie Politiker wären – was würden Sie direkt für die Pflege ändern?

Den Pflegeschlüssel *lachen* – Es ist alles machbar, doch es ist schwierig eine Besetzung zu erhalten. Oft ist es nicht möglich sich zu dem Bewohner zu setzten und mit ihnen zu reden, weil ungenügend besetzt ist. Es funktioniert hier – in Esterhofen – doch in anderen Einrichtungen ist dieser Mangel immer noch vorhanden.

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Einrichtungsleiter, Herr Sigmund über Herrn Morawietz:

Neben der zuverlässigen Arbeitsweise, der ausgezeichneten Kommunikation und der unersättlichen Wissbegierde die Seitens Herr Morawietz besteht, zeigt er den Willen eine gute Fachkraft zu sein.
Ab September freue ich mich darauf ihn als diesen einsetzten zu dürfen. Darüber hinaus sehen wir für die Zukunft viel Entwicklungspotential, ob als Hygienebeauftragten, im Bereich der Gerontopsychiatrischen oder mehr im Bereich des Wundmanagers. Es stehen viele Wege offen.

Die Sympathia, Herr Sigmund und das Team Esterhofen bedanken sich herzlich für Ihren Einsatz, gratulieren Ihnen zur bestandenen Prüfung und freuen uns auf die gemeinsame Zukunft mit Ihnen.Bernhard Morawietz

 

 

 

 

 

 

 

 

Artikel von Michaela Wensauer